Das geistige Zentrum Mährens

Olmütz in der Nacht

Obwohl Olmütz (Olomouc) ein Ort mit einer mehr als tausendjährigen Geschichte ist, scheint es, als ob die Stadt nach wie vor auf ihre Neuentdeckung warten würde.

Das bemerkte auch der Reiseführer Lonely Planet, bezeichnete Olmütz als die am deutlichsten unterbewertete Stadt Tschechiens und hob sie selbst unter die TOP 10 der touristischen Ziele, die man bei einer Reise durch Europa nicht versäumen sollte.

Olmütz kann sich in seiner Schönheit nicht nur mit Prag messen, sondern mit vielen der meistbesuchten Touristenorte Europas, sodass es auch Ihre Aufmerksamkeit ganz entschieden verdient. Sie finden hier das zweitwichtigste Denkmalreservat der Tschechischen Republik, das inmitten herrlicher Parks liegt, eine unglaubliche Konzentration von Kirchenbauten, UNESCO-Denkmälern, und es fehlt nicht einmal eine Astronomische Uhr, zudem mit einer Geschichte, die vielleicht noch interessanter ist, als die in Prag. Das alles blieb jedoch vom Gewimmel der Großstadt verschont. So können Sie sich vorstellen, dass Sie das ruhige Tempo, in dem Sie alle schönen Orte der Stadt genießen können, auch manch anderer europäischen Stadt wünschen würden.

Geschichte der Olmützer Astronomischen Uhr
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Bilder: Museum der Erzdiözese (© archiv CzechTourism)

 

Olmütz war, seit man sich erinnern kann, eine geistige Metropole Mährens, und seine ruhmreiche Geschichte ist auf Schritt und Tritt zu spüren. Wenn Sie mögen, können Sie ihre Wanderung durch die Geschichte mit den ältesten Denkmälern beginnen, dann begeben Sie sich zur Olmützer Burg mit dem gotischen Wenzelsdom und dem Sitz des Erzbischofs von Olmütz. Neben dem tausend Jahre alten romanischen Bau des Bischofspalais‘ können Sie Kirchenschätze und Kunstwerke aus den Sammlungen der Bischöfe und Erzbischöfe von Olmütz auf dem erst kürzlich renovierten Gelände des Museums der Erzdiözese (Arcidiecézní muzeum) bewundern. Nach den Schönheiten der barocken Architektur und Bildhauerkunst setzen Sie Ihren Weg am Oberen Markt fort, wo Sie eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt erblicken, die Dreifaltigkeitssäule. Diese Pestsäule, die größte Gruppierung barocker Säulen in Mitteleuropa, ist seit dem Jahr 2000 im Welterbeverzeichnis der UNESCO eingetragen. Wenn Sie vom Oberen Markt aus weitere Sehenswürdigkeiten Ihres Rundgangs besuchen, bezaubert Sie die Herrlichkeit der Barockarchitektur praktisch überall, wohin Sie sich wenden.

Kirchendenkmäler Mähren
Kirchendenkmäler Mähren
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Dreifaltigkeitssäule Archiv CzechTourism | © Mgr. Pavel Dosoudil

Dreifaltigkeitssäule

Die Pestsäule, die im Jahre 2000 ins Welterbeverzeichnis der UNESCO aufgenommen wurde, ist ein bedeutendes Werk barocker Bildhauerkunst. Erschaffen in den Jahren 1716 bis 1754 und feierlich eingeweiht  1754  durch den Bischof Ferdinand Julius von Troyer unter Anwesenheit von Kaiserin Maria Theresia. Mit ihrer Höhe von mehr als 32 Metern ist sie das größte Säulenensemble der Tschechischen Republik und das größte dieser Art im Barockstil in ganz Mitteleuropa.pe.

Erzbischöfliches Palais Archiv města Olomouc | © Milena Valušková

Erzbischöfliches Palais

Der Sitz der Bischöfe und Erzbischöfe von Olmütz beherbergte viele bedeutende Gäste und war Schauplatz geschichtsträchtiger Ereignisse. Das Palais ist für die Öffentlichkeit zugänglich, sodass Sie selbst einen Blick in den Thronsaal werfen dürfen, wo am 2. Dezember 1848 der österreichische Kaiser Franz Josef I. sein Amt übernahm, oder in den Audienzsaal, wo der russische Zar Alexander I. und der österreichische Kaiser Franz ihr Vorgehen bei der Schlacht von Austerlitz (Slavkov) abstimmten, oder in das Grüne Zimmer, wo 1850 von Preußen, Österreich und Russland die Olmützer Punktation unterzeichnet wurde, mit dem der Konflikt zwischen Preußen und Österreich beigelegt werden sollte.

Museum der Erzdiözese und romanischer Bischofspalais Archiv města Olomouc | © Milena Valušková

Museum der Erzdiözese und romanischer Bischofspalais

Gegründet als Teil des Kunstmuseums im Jahr 1998. Zwischen 2000 und 2006 fanden umfangreiche Renovierungsarbeiten statt, die ihm die heutige Gestalt verliehen. Das romanische Palais besichtigen Sie beim Rundgang durchs Museum.

Im Kapitel des Wenzelsdoms, am Ort des heutigen Museums, komponierte der elfjährige Wolfgang Amadeus Mozart eine seiner ersten Sinfonien, die Sinfonie Nr. 6 F Dur. Genau hier genas er nämlich von seiner Krankheit, nachdem die ganze Familie Wien aus Angst vor den schwarzen Pocken überstürzt verlassen hatte. An seinen Aufenthalt erinnert eine kleine Ausstellung. Olmütz gehört zudem zu einem „Mozart Ways“ genannten internationalen Projekt, das Orte in zehn europäischen Ländern verbindet, die Mozart während seiner zahlreichen Reisen besuchte.

www.mozartways.com

Wenzelsdom © Michal Maňas (Wikimedia)

Wenzelsdom

Die Kathedrale mit den zwei Türmen  an der Stirnseite, deren Gründung auf das 12. Jahrhundert datiert wird, ist als Symbol der Stadt nicht wegzudenken. Der Südturm ist der höchste Kirchturm in Mähren und der zweithöchste der Tschechischen Republik.

Johannes-Sarkander-Kapelle Archiv města Olomouc | © Jan Andreáš

Johannes-Sarkander-Kapelle

An der Stelle der neobarocken Kapelle befand sich einst das städtische Gefängnis, in dem Johannes Sarkander 1620 verhört und gefoltert wurde, da man ihn beschuldigte, den Truppen des polnischen Königs in Mähren Hilfe geleistet zu haben. Unter der Folter gab er jedoch das ihm anvertraute Geheimnis nicht preis, weshalb er 1995 durch Papst Johannes Paul II. in Olmütz heiliggesprochen wurde. Das Innere der Kapelle ist mit Fresken geschmückt, die Legenden erzählen. Zu sehen ist auch die erhaltene Folterbank.

Kloster Hradisko © Tedmek (Wikimedia)

Kloster Hradisko

Das ehemalige Prämonstratenserkloster ist neben der denkmalgeschützten Innenstadt von Olmütz das zweitwichtigste Denkmal im Umkreis. Das barocke Gebäude des Klosters, das einst als das „Mährische Escorial“ gefeiert wurde, erhielt sein Aussehen im 17. und 18. Jahrhundert und gehört zu den kostbarsten Werken der mitteleuropäischen Barockarchitektur. Nach der Zerstörung des Seminars im Jahre 1790 fielen die Objekte des ehemaligen Klosters an die Armee. Diese legte hier zunächst das Lager für die Festung an, 1800 brachten die französischen Truppen ihre Gefangenen auf dem Areal unter und von Januar 1802 an befand sich in den Gemäuern des Klosters ein Lazarett. Dieses besteht bis zum heutigen Tag als das älteste Militärkrankenhaus der Tschechischen Republik.

Basilika auf dem Heiligenberg Archiv CzechTourism | © Lubomír Stiburek

Basilika auf dem Heiligenberg

Die barocke Basilika Mariä Heimsuchung auf dem  Svatý Kopeček (Heiligenberg) ist einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte Tschechiens und wird bis heute gerne von Pilgern und Bewunderern der Barockarchitektur aufgesucht. Die Bedeutsamkeit dieses heiligen Ortes bestätigen einige bekannte Besucher – 1990 war Mutter Theresa zu Gast und im Mai 1995 wurde die Wallfahrtskirche unter Anwesenheit von Papst Johannes Paul II. zur Basilika minor erhoben.

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Direkt in Olmütz ist ein einzigartiges Ensemble barocker Brunnen zu bestaunen, die St.-Michaels-Kirche und der Komplex der Jesuitenschule und -kirche, dann findet der Weg außerhalb der Innenstadt seine Fortsetzung. Auch hier erwarten Sie architektonische Meisterwerke – das altehrwürdige Kloster Hradisko, das für seine wirkungsvolle Größe den Namen „Mährisches Escorial“ trägt, oder die Basilika auf dem Heiligenberg. Einen Besuch dieses alten Wallfahrtsortes mit einem herrlichen Blick über die stille und fruchtbare Hanna-Ebene ließen sich nicht einmal Papst Johannes Paul II. und Mutter Theresa entgehen.

Heiligenberg
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Es gehört zu den Paradoxen der Geschichte, dass die Schönheit des barocken Olmütz aus großem Leid und der geradezu vollständigen Vernichtung von allem, was bis dahin war, erwachsen musste. Umso höher ist der Wert dieser Denkmäler. Sie zeugen von Mut, einem ungebrochenen Lebenswillen und geistiger Stärke.

Als die schwedischen Truppen 1650 abzogen, hinterließen sie die Stadt in Trümmern. Von siebenhundert Stadthäusern war ungefähr ein Viertel stehen geblieben. Von den fast 30.000 Einwohnern, die 1640 in der Stadt lebten, waren ganze 1765 geblieben. Angesichts dieser Lage schlugen sogar einige Stimmen vor, sich dem Schicksal nicht weiter entgegen zu stellen und die altehrwürdige Stadt in ein Dorf umzuwandeln. Dazu kam es nicht. Im Gegenteil, Olmütz wandelte sich von 1655 an über lange hundert Jahre hinweg zu einer der mustergültigsten Bastionen der gesamten Habsburger Monarchie. Symbol der Wiedergeburt und eins der schönsten Denkmäler des heutigen Olmütz sind die sechs barocken Brunnen mit Figuren nach antiken Motiven. Die Brunnen des Herkules, des Jupiters und des Mars und weiterer Gestalten der antiken Mythologie werden seit 2002 direkt auf dem Oberen Markt vom Arionbrunnen und dem Springbrunnen „Quelle des lebendigen Wassers des Heiligen Sarkanders“ auf dem Innenhof des schwungvollen neobarocken Sarkander-Palais ergänzt.

 

Arionbrunnen (Archiv města Olomouc | © Jiří Fajt)

 

Der Ursprung des Namens Olmütz ist zwar nicht unstrittig, aber nach einer Version ist er eine Verbindung aus den Wörtern „hučet“ und „pivo“ – „brausen“ und „Bier“. Wahr ist, dass in der Umgebung von Olmütz qualitativ hochwertiger Hopfen angebaut wird und sich in der Stadt zahllose Restaurants, Bierstuben und Kleinbrauereien befinden, in denen Sie das wunderbare Bier kosten können. Und auch wenn tagsüber in der Stadt eine stille Atmosphäre herrscht, „braust“ es nachts im Zentrum wie in einem Bienenstock. Dies ist den vielen jungen Menschen zu verdanken, die in dieser Universitätsstadt an der zweitältesten Alma Mater der Tschechischen Republik leben und studieren. Sicher machen Sie keinen Fehler, wenn Sie Ihren Rundgang mit einem guten Essen und einem Getränk in der Bierstube Vodní kasárna beginnen, in einem Teil der rekonstruierten Festung aus der Zeit der Kaiserin Maria Theresia. Auch in ihrer Nachbarschaft finden Sie viele Gaststätten, Restaurants, Bars, Diskotheken und Clubs, wobei es sicher ein Lokal gibt, das genau Ihrer Stimmung und Ihrem Geschmack entspricht. Auf keinen Fall dürfen Sie sich die regionale Spezialität – den Olmützer Quargel entgehen lassen, und wenn Sie richtig gerne Bier trinken, dann planen Sie einen Aufenthalt für Ende Juni, wenn das traditionelle Bierfestival stattfindet, das zu den beliebtesten und größten Festen dieser Art in Tschechien zählt.

Olmützer Quargel
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Olmütz

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