Die Insel der Barockkunst

Kuks

Am Anfang vieler Erzählungen aus der Zeit des Barocks steht ein Wunder.

Am Anfang des Schlosses Kuks hingegen stand ein Betrug. Der exzentrische Graf und Schlossbesitzer Franz Anton Reichsgraf von Sporck lud nämlich Ende des 17. Jahrhunderts die berühmtesten und angesehensten Wissenschaftler auf sein Schloss, um die hiesigen unterirdischen Quellen zu untersuchen. Die Wissenschaftler bescheinigten den Quellen eine heilende Wirkung.

Heute weiß man jedoch, dass es sich um einen Betrug handelte, denn moderne chemische Analysen haben ergeben, dass das Wasser keinerlei außergewöhnliche Eigenschaften hat.

Franz Anton von Sporck
(1662 - 1738)

Trotz dieser Schummelei entstand hier eines der kostbarsten Barockkunstwerke der Welt. Nicht nur an den beiden Elbufern, sondern auch in den umliegenden weitläufigen Wäldern wurden bis in kleinste Details durchdachte Kurgebäude errichtet. Graf Sporck beauftragte dafür die renommiertesten Architekten und Bildhauer. Der Ruf des Kurbads verbreitete sich wie ein Lauffeuer und so wurde es zum Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens – ganz so, wie es sich der Graf wünschte. Schon damals legte der Gründer von Kuks nicht nur Wert auf bewährte Heilverfahren, sondern auch auf eine vielfältige kulturelle Unterhaltung der Kurgäste – wie dies im Übrigen auch heute der Fall ist. Während seiner Blütezeit war Kuks im wahrsten Sinne des Wortes ein Fest für die Sinne.

"In Kuks sah man fabelhafte Dinge, vielfältige Kunstwerke, die von den berühmtesten Künstlern erschaffen worden waren, sagenhafte Werkzeuge und Maschinen, über die im ganzen Land gesprochen wurde. Schon alleine die Persönlichkeit des Grafen Sporck, der aus Kuks ein kleines Versailles machen wollte, und sein aufregendes Leben, das auf viele sehr anziehend wirkte, vor allem auf die adeligen Herrschaften, die hier dem sorglosen Leben frönten, zogen die Menschen in ihren Bann.... Nicht nur die Jagd und die bildende Kunst spielte hier eine wichtige Rolle, sondern auch Musik und Tanz sowie Theater- und Opernvorführungen. So wurden die Gäste bestens unterhalten und zum Nachdenken über die Kunst und den Ernst des Lebens animiert."

So beschreibt es der königliche Hofschreiber Halík

 

Bilder: Hospital Kuks, Terrasse des Hospitals in Kuks, Der einstige Kurgarten (© Ladislav Renner)

 

Über ein riesiges Kaskaden-Treppenhaus, das von prächtigen Statuen des Meeresgottes Triton gesäumt war, floss das „Heil“-Wasser in einen Brunnen, in dem sich wiederum eine Statue des Polyphem befand. Dank einer im Rücken der Statue angebrachten Mechanik strömte aus der Statue des Polyphem Musik. Des Weiteren errichtete man entlang der Elbe eine Rennbahn, die von steinernen Zwergen gesäumt war. Zum Kurgelände gehörte damals sogar ein Theater, in dem regelmäßig renommierte Theaterkompanien gastierten. Und für das leibliche Wohl sorgte das Gasthaus „Zur Goldenen Sonne“ (U zlatého slunce). In den umliegenden Wäldern wurde unter dem wachsamen Blick des Schutzpatrons Sankt Hubert gejagt, aber auch entspannt und geträumt. Der renommierte Bildhauer Matthias Bernhard Braun schuf aus Sandstein einzigartige Freiluft-Skulpturen. Besonders stechen die Statuen des Einsiedlers Onufrios und des Heiligen Guarinus von Sitten hervor. Hin und wieder trafen die Besucher sogar auf echte Einsiedler, denen Graf Sporck in seinen Wäldern Unterschlupf gewährte.

Matthias Bernhard Braun
(1684 - 1738)

© archiv Revitalizace KUKS o. p. s.

 

Der exzentrische Gründer von Kuks war jedoch nicht nur ein großer Kustmäzen sondern auch ein Menschenfreund. Er ließ nämlich am gegenüberliegenden Elbufer ein Hospital für Kriegsveteranen bauen. Die Stirnseite dieses einstigen Spitals dominiert die Kirche der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, die vom berühmten italienischen Architekten Giovanni Battista Alliprandi gestaltet wurde. In der Krypta befindet sich die Familiengruft, in der Graf Sporck bestattet ist. Auf der Terrasse des Hospitals ist ein künstlerisches Highlight zu sehen, das maßgeblich zum Renommee dieses Ortes beiträgt: Zwölf Statuen, die Allegorien auf die Laster und Tugenden darstellen. Dieses Meisterwerk von Matthias Bernhard Braun sollte den Kurgästen das Zusammenspiel von Gut und Böse verdeutlichen und sie zu moralischem Verhalten anspornen.

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Bilder: Die Allegorien der Tugenden und Laster von Matthias Bernhard Braun, Gruft der Familie Sporck (© Ladislav Renner)

 

Es mag wie eine Ironie des Schicksals anmuten, dass sowohl der Anfang als auch das Ende dieses Schlosses vom Element Wasser beherrscht wurde. Im Dezember 1740 führte nämlich die Elbe Hochwasser, weshalb ein Großteil der Kurgebäude überschwemmt wurde. Der Kurbetrieb wurde daraufhin eingestellt und seither nie wieder aufgenommen und die in den darauffolgenden Jahren in der Region wütenden kriegerischen Auseinandersetzungen taten ihr Übriges. Es ist sicherlich bedauernswert, dass von Graf Sporcks prächtigem Projekt nur noch das Grundgerüst übrig geblieben ist. Das Innehalten und Nachdenken über die Vergänglichkeit des irdischen Lebens ist jedenfalls ein wichtiger Bestandteil der Barockkunst und verfolgt einen beim Besuch des Schlosses Kuks auf Schritt und Tritt.

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