Reisen der Gesundheit und Schönheit wegen

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Reisen der Gesundheit und Schönheit wegen

Sein Äußeres chirurgisch zu verschönern ist heutzutage kein Problem. Vereinfacht ausgedrückt braucht man einfach nur Mut, Geld und einen guten Arzt. Finanzen und Geschick des Chirurgen spielen übrigens auch bei der Wahl des Ortes eine Rolle, an dem man den Eingriff vornehmen lässt. Daher zögern viele nicht lange und nehmen eine Reise ins Ausland auf sich. Die Gesundheitstouristik ist ein Phänomen der Gegenwart und die Tschechische Republik bildet dank ihres guten Rufes für plastische Chirurgie keine Ausnahme. Zumindest was Touristen aus dem Ausland betrifft. Die Tschechen sind da offenbar viel vorsichtiger und vertrauen lieber auf die Fachleute im eigenen Land.

 „Nach einer Rangliste der Agentur Forbes rangiert die Tschechische Republik weltweit unter den Top Ten der Reiseziele für Gesundheitstouristik im Jahr 2008. Unser Land, vor allem Prag, wird wegen seiner preislich zugänglichen plastischen und ästhetischen Chirurgie aufgesucht,“ so Rostislav Vondruška, Direktor der Agentur CzechTourism. Obgleich in Tschechien die plastische Chirurgie im Bereich Gesundheitstouristik die erste Geige spielt, sind Patienten aus dem Ausland auch an stomatologischen und orthopädischen Leistungen oder Behandlungen bei Unfruchtbarkeit interessiert.

Wie viele Klienten aus dem Ausland tatsächlich einer Operation wegen nach Tschechien reisen, waren lange Zeit nur Schätzungen. Mehr Licht in die Angelegenheit brachte erst eine Studie der Gesellschaft Hilcom, die auf www.kosmetische-plastische-chirurgie.eu  veröffentlicht ist. Diese war von März bis Mai 2008 bemüht, einen Überblick über die aktuelle Situation in der ästhetischen Chirurgie in Tschechien zu schaffen. Die Untersuchung berücksichtigte dabei auch ein Spezifikum der tschechischen Gesundheitstouristik, nämlich dass diese nicht an Kliniken, sondern vor allem an Ärzte gebunden ist. „45 der befragten attestierten plastischen Chirurgen gaben an, dass die ausländische Klientel 19 % aller Eingriffe bei ihnen bestellt hatte. Wir sprechen somit von 5000–6000 Patienten,“ so Pavel Hilbert, Direktor von Hilcom. Die meisten Interessenten an einem besseren Aussehen stammten aus Deutschland, gefolgt von Österreich, Großbritannien und der Slowakei. Die überwiegende Mehrheit waren dabei Frauen (87 %). Diese waren vor allem wegen einer Brustvergrößerung, einer Operation der Augenlider oder einer Fettabsaugung nach Tschechien gereist.

Die Ärzte bestätigen, dass Hilfe bei der Organisation des Aufenthalts in der Tschechischen Republik den Anteil der ausländischen Klientel deutlich steigere. Wer diese Hilfe anbietet, verzeichnet 21 % der Patienten aus dem Ausland, wohingegen Ärzte ohne diesen Service nur 9 % solcher Patienten aufweisen. Die meisten Ärzte sind in der Lage, ihren Patienten selbst bei der Organisation ihres Aufenthaltes behilflich zu sein, 19 % arbeiten dabei mit einem einschlägigen Reisebüro zusammen.

Der zufriedene Patient kehrt nach Hause zurück und empfiehlt den geschickten Arzt seinen Freunden weiter. Word of mouth - die Mund-zu-Mund-Propaganda - funktioniert in diesem Fall besser als anderswo, was auch die Ergebnisse einer Studie auf www.kosmetische-plastische-chirurgie.eu   bestätigen. Eine persönliche Empfehlung – das führten die Ärzte an erster Stelle bei der Beantwortung der Frage an, was die ausländische Klientel zu ihnen führe.

Doch gleicht der günstigere Preis das Risiko aus, das der Patient bei einem Eingriff in einem fremden Land eingeht? Die Untersuchung zeigt, dass Patienten aus dem Ausland besser informiert sind als tschechische Patienten. Sie müssen ihr Problem mit dem Arzt nämlich auf Distanz, über das Telefon oder per E-Mail besprechen. Der ausländische Patient hält sich Pavel Hilbert zufolge durchschnittlich 3-10 Tage in der Tschechischen Republik auf (auch hier je nach vorgenommenem Eingriff). Weniger üblich ist jedoch, dass er seinen Aufenthalt mit touristischen Ausflügen verbindet oder dass er sich nach der Operation zur Reha in einen tschechischen Kurort aufmacht. Wenn man einen Blick auf die Situation in erfolgreichen „Gesundheitsreisezielen“ wirft, besteht hier nach wie vor Raum, wie diese zusätzlichen Dienstleistungen angeboten werden könnten. Dies könnte insbesondere für Patienten mit einer längeren Anreise interessant werden, für welche bei der Frage nach dem Ort des Eingriffes auch die touristische Attraktivität des Reiselandes ausschlaggebend sein kann. In dem Fall hätte das weltberühmte Prag einen klaren Vorteil. Eventuell könnten die bekannten tschechischen Kurorte in Zukunft hiervon profitieren.

Den größten Boom erlebt die Gesundheitstouristik gerade in den Vereinigten Staaten, ist jedoch auch in Europa auf dem Vormarsch. Wenn Deutsche eine Zahnbehandlung oder eine andere medizinische Leistung benötigen, reisen sie immer öfter nach Osteuropa. Eine Behandlung im Ausland ist verlockend, da die deutschen Krankenkassen EU-weit Kosten für eine medizinische Versorgung erstatten. 2005 haben Gesundheitstouristen weltweit insgesamt 19 Millionen Reisen unternommen, einem Bericht von Tourism Research and Marketing zufolge könnte sich diese Zahl bis zum Jahr 2010 verdoppeln. „Die Nummer 1 weltweit ist Thailand. Hierhin sind letztes Jahr 1,4 Millionen Touristen gereist, um sich medizinisch behandeln zu lassen, dicht gefolgt von Indien, wo die Zahl ausländischer Patienten jährlich um 30 % zunimmt,“ so Lenka Šindelářová von der Abteilung Trendforschung der Agentur CzechTourism.

Die Tschechen hingegen können sich offenbar nicht richtig für Gesundheitstouristik begeistern. In einer Internetumfrage der Agentur CzechTourism äußerten 59 % der Befragten ein solches Vertrauen in tschechische Ärzte, dass sie selbst bei günstigeren Preisen keine Reise ins Ausland in Betracht ziehen würden. Bei denjenigen, die bereit wären, die Grenzen der Tschechischen Republik zu überschreiten, spielen eine bessere Versorgung (30 %) und eine Empfehlung von Bekannten (7 %) die Hauptrolle.

 

Autorin
Markéta Chaloupková & Abt. Markt- und Trendforschung



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