8 Sakrale Denkmäler
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Die treibende Kraft beim Bau
romanischer Rotunden, Kirchen,
Basiliken und Klöster waren die
Benediktinermönche. Sie verbreiteten
außerdem auch die Tradition
der Heiligenverehrung und alle
Benediktinerabteien wollten bedeutende
Wallfahrtsorte sein. Die Verzierungen
der sakralen Bauwerke mit
Wandmalereien und Skulpturen hatten
neben dem ästhetischen auch einen
pädagogischen Zweck: Man stellte
nämlich sowohl das Leben der Heiligen
als auch das der Herrschergeschlechter
dar. Ab Mitte des 12. Jahrhunderts
wirkte im Land ein weiterer bedeutender
Orden: Die Zisterzienser, deren
Klöster Wohlstand, Bildung und Kunst
verkörperten. Außerdem kümmerten sich
die Zisterziensermönche um Bedürftige.
Durch die Weiterentwicklung und
Perfektionierung des mathematischen
und geometrischen Verständnisses waren
die Menschen nun in der Lage, Bauwerke
in einem neuen Stil zu errichten – und
so entstand die Gotik. Fortan baute man
nicht einfach nur Kirchen und Klöster,
sondern auch prächtige Kathedralen,
deren Fenster Geschichten aus dem
Leben der Heiligen erzählten.
Klöster
Klöster und Bier
Das Besondere an den Klöstern
in Böhmen und Mähren ist ihre
bemerkenswerte Bierbraukunst.
Bis ins 12. Jahrhundert war Bier
ein fester Bestandteil des Speiseplans;
es wurde täglich konsumiert und in
den Klosterküchen gebraut. Wegen
seiner Nährstoffe war Bier nämlich
eine ideale Nahrungsergänzung,
insbesondere während der Fastenzeit.
Nach und nach entstanden dann in den
Klöstern Brauereien. Manche Bier- und
Brauereinamen erinnern noch heute an
die enge Verbindung, die einst zwischen
den Klöstern und der Bierbraukunst
herrschte: Opat (auf Deutsch:
Abt – das Bier des Stifts Broumov),
Klášter (auf Deutsch: Kloster – das Bier
der Gemeinde Klášter Hradiště nad
Jizerou) und Sv. Norbert (auf Deutsch:
Heiliger Norbert – das Bier des Klosters
Strahov in Prag).
Vyšší Brod
Das Zisterzienserkloster in Vyšší
Brod unweit von Böhmisch Krumau
(Český Krumlov) wurde 1259
vom Adelsgeschlecht der Herren von
Rosenberg gegründet. Der Bau dauerte
insgesamt über 100 Jahre. Besonders
wertvoll ist die hier aufbewahrte und
gut erhaltene Madonna von Vyšší Brod –
eines der schönsten gotischen
Tafelbilder in Tschechien.
Zlatá Koruna
Dieses malerische Zisterzienserkloster,
das zu den wertvollsten gotischen
Gebäudekomplexen Mitteleuropas gehört,
thront auf einem Felsvorsprung über der
Moldau unweit von Böhmisch Krumau.
Das Kloster birgt eine Kuriosität, die ihm
einst der französische König schenkte:
einen Dorn aus der Dornenkrone
Jesu. Daher stammt auch der Name
des Klosters, denn „Zlatá Koruna“
bedeutet auf Deutsch goldene Krone.
Das malerische Kloster birgt zahlreiche
architektonische Schätze, unter anderem
auch den größten Dom Südböhmens:
die Mariä-Himmelfahrts-Kirche.
Das Kloster Zlatá Koruna ist stolzer
Besitzer eines musikalischen
Unikats. Im Jahr 2012 erwarb
es einen einzigartigen Konzertflügel
der renommierten Berliner Firma
Carl Bechstein. Es handelt sich um ein
besonderes Unikat, das auf Bestellung
des Petersburger Zarenpalasts gebaut
worden war. Dank des Flügels sind
die regelmäßig im Kloster
stattfindenden Konzerte ein nicht
zu verpassendes Erlebnis.
Želiv
Kloster Želiv wurde im Jahr 1139
gegründet. Zunächst lebten hier
Benediktinermönche, die aus der
nahe gelegenen Abtei in Sázava
gekommen waren. Später ließen sich
hier Prämonstratensermönche aus
dem rheinland-pfälzischen Steinfeld
nieder. Im Laufe seiner Geschichte
musste das Kloster nach verheerenden
Bränden mehrfach umgebaut werden.
Die umfassendsten Baumaßnahmen
erfolgten zwischen 1713 und 1720 im
Stil der Barockgotik und wurden vom
berühmten Baumeister Johann Blasius
Santini-Aichl durchgeführt. Während
des kommunistischen Regimes
im 20. Jahrhundert wurde das Kloster
zum Internierungslager für Geistliche
umfunktioniert. Es befindet sich inmitten
der malerischen Region Vysočina
und ist von zahlreichen herrlichen
Rad- und Wanderwegen umgeben.
Zum Klostergelände gehört auch
die Klosterbrauerei Želivský klášterní
pivovar, in der nach traditionellen
Verfahren sechs verschiedene
Biersorten hergestellt werden.
Das Kloster bietet ebenfalls
Übernachtungsmöglichkeiten
für jene, die auf der Suche nach
Ruhe, Einkehr und Spiritualität sind.
Stift Tepl
Das Prämonstratenserkloster Stift
Tepl (Klášter Teplá) wurde Anfang
des 12. Jahrhunderts inmitten einer
malerischen Landschaft unweit
von Marienbad (Mariánské Láznĕ)
gegründet. Zur Jahrhundertwende
des 17./18. Jahrhunderts wurde das
Kloster von Christoph Dientzenhofer
im barocken Stil umgebaut.
Die Klosterbibliothek beherbergt
100.000 Bände und gehört zu den
ältesten und bedeutendsten Bibliotheken
Tschechiens. Zum Klostergelände
gehören außerdem auch ein Park mit
einem kleinen See und ein Kreuzweg.
Gleich hinter der Klostermauer
befindet sich ein 9-Loch-
Golfplatz. Während der
Hochsaison von Ostern bis Ende
Oktober bietet das Klosterhotel
Unterkunftsmöglichkeiten.
Kloster Vyšší Brod
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