28 Sakrale Denkmäler
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Die Große Synagoge in Pilsen
Westböhmen
Pilsen
Ein Beleg dafür, dass in der Region
um die Stadt Pilsen (Plzeň) einst eine
große jüdische Gemeinde lebte, sind
zwei Synagogen in der Stadt und viele
erhaltene jüdische Sehenswürdigkeiten
in der ganzen Region. 1859 wurde
die
Alte Synagoge
(Stará synagoga)
im neoromanischen Stil errichtet
und der Gottesdienst wurde fortan nach
dem Neuen Ritus gefeiert. Als zwischen
1888 und 1892 die
Große Synagoge
(Velká Synagoga) gebaut wurde,
verringerte sich die Bedeutung der Alten
Synagoge zusehends. Seit Herbst 2013
befindet sich hier eine Ausstellung.
Die Große Synagoge gehört zu den
weltweit größten und vereint sowohl
neoromanische als auch Neorenaissance-
Elemente mit orientalischen Motiven.
In den 1990er Jahren wurde sie renoviert
und ist seither das kulturelle Zentrum
Pilsens.
Unweit der Alten Synagoge befinden
sich Überreste der Pomocná-
Synagoge, in der ein Holocaust-
Mahnmal untergebracht ist.
Der sogenannte Garten der Erinnerung
(Zahrada vzpomínek) besteht aus
2.600 Steinen, in die die Namen der
Opfer des Holocaust eingraviert sind.
Pilsen ist die Stadt des Biers.
Bei einer Besichtigung der Brauerei
und des Brauereimuseums können
Sie die geheimnisvolle Geschichte
des Pilsner Urquells entdecken.
Mähren
Třebíč
Eines der wichtigsten jüdischen
Denkmäler Tschechiens ist das erhaltene,
UNESCO-geschützte Jüdische Viertel
in Třebíč. Es besteht aus 116 erhaltenen
Häusern und zwei Synagogen: der
Vorderen (Přední synagoga) und der
Hinteren Synagoge (Zadní synagoga).
In letzterer kann eine Ausstellung über
die Stadt, wie sie im 19. Jahrhundert
ausgesehen hat, besichtigt werden.
Von hier gelangt man auch zum
Jüdischen Friedhof (Židovský hřbitov).
Třebíč gehört wegen seiner
zahlreichen erhaltenen Denkmäler und
Häuser zu den absoluten Highlights
der jüdischen Kunst und Kultur.
Brünn
In der Hauptstadt Mährens, Brünn
(Brno), lebten vor dem Zweiten
Weltkrieg etwa 12.000 Juden und
es gab vier Synagogen. Davon
ist heute jedoch nur noch eine erhalten:
die Funktionalistische Synagoge, die
zwischen 1934 und 1936 von Otto Eisler
erbaut wurde. In der Region ist dies die
einzige Synagoge, die bis heute ihrem
ursprünglichen Zweck dient. Im Stadtteil
Židenice
befindet sich der 1852
gegründete Jüdische Friedhof. In dessen
neoromanischer Zeremonienhalle sind
Fragmente mittelalterlicher Grabsteine
in der Wand integriert und hinter ihr
befindet sich ein Holocaust-Mahnmal.
Boskovice
Auch in Boskovice lebte einst eine große
jüdische Gemeinschaft, denn im 18. und
19. Jahrhundert war die Stadt für ihre
berühmte jüdische Schule (Jeschiwa) und
ihr Zentrum für Talmudstudien bekannt.
Mitte des 19. Jahrhunderts war über ein
Drittel der Bevölkerung jüdischstämmig.
Der Jüdische Friedhof in Boskovice
birgt über 2.400 Grabsteine. Von den
ursprünglich 138 Häusern sind nur noch
79 erhalten, darunter eine Schule,
ein Kurbad, ein Spital, eine Mikwe
und barocke Synagogen.
Seit 1999 sind die wichtigen
Sehenswürdigkeiten durch einen
Lehrpfad miteinander verbunden.
Mikulov
Mikulov besticht durch seine
90 erhaltenen jüdischen Häuser, wovon
45 als Kulturdenkmäler klassifiziert
sind. Vom 16. Jahrhundert bis zum
Jahr 1851 hatte der Landesrabbiner
von Mähren hier seinen Sitz. Durch
das Jüdische Viertel führt ein etwa
1 km langer Lehrpfad mit 13 Stationen,
die die wichtigsten jüdischen
Sehenswürdigkeiten und deren
Geschichte erläutern. Der Lehrpfad
endet bei der mittelalterlichen Mikwe.
Mikulov hatte eine wichtige religiöse
Bedeutung in Mähren.
Zur Wallfahrtskirche auf dem Hügel
Svatý kopeček führt der älteste Kreuzweg
Mährens.
Mikulov befindet sich inmitten
des mährischen Weinbaugebiets,
weshalb es hier zahlreiche
Weinstraßen undWeinkeller gibt.
Fahrradfahrer werden hier auf ihre
Kosten kommen, denn die Landschaft
eignet sich dank ihrer vielen Radwege
perfekt für Ausflüge.
In Mikulov wurde Geschichte
geschrieben. Napoleon übernachtete
1809 in Mikulov, als er auf demWeg
zum Schlachtfeld von Austerlitz war.
1866 wurde hier der Waffenstillstand
zwischen Österreich und Preußen
ausgehandelt - der sogenannte Frieden
von Nikolsburg (Nikolsburg ist die
deutsche Bezeichnung für Mikulov).
Man kann daher sagen, dass Mikulov
eine „Stadt der Aussohnung“ ist.
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